Am Morgen regnet es und ich hoffe es klingt ab bis ich mein Ziel für die nächsten drei Tage, den „Mount Somers Track“ erreiche. Bei meiner Ankunft lässt es tatsächlich nach. Ich packe schnell zusammen und beginne meine Tour. Leider verlässt mich danach mein Glück auch schon wieder. Nach ca. 200 m komme ich an einem Hinweisschild mit der Mahnung vorbei, dass die Hütten auf dieser Strecke im voraus gebucht werden müssen. Normalerweise gilt zeitiges Kommen sichert den guten Schlafplatz, doch bei sehr beliebten Wandertouren muss zuvor das Bett gebucht werden. Ich laufe zurück zum Auto und kontrolliere die Internetverbindung, welche vorhanden ist. Ein kurzer Blick im Online-Buchungssystem verrät mir allerdings, dass die “Pinnacle Hut”, mein Tagesziel, für heute ausgebucht ist. Alternativ könnte ich noch neben der Hütte zelten, doch meist ist ungewiss, ob dies möglich ist. Hin und wieder werden Zeltplätze zu Hubschrauberlandeplätzen umfunktioniert und dann ist das Zelten verboten, manchmal sind die Plätze auch nach Niederschlag geflutet. Verärgert über meine Nachlässigkeit, beschließe ich den Start um einen Tag zu verschieben. Ich fahre zu einem nahe gelegenen Zeltplatz, doch die Rezeption ist erst am Abend wieder belegt. So ziehe ich weiter in die nächstgelegene Kleinstadt mit dem Namen Methven und buche mir eine Nacht im hiesigen Holiday Park. Ich schaue mir noch die Stadt an und verbringe den Nachmittag mit lesen. Am Abend unterhalte ich mich kurz mit einem Ehepaar, welches mit dem Fahrrad unterwegs ist. Am Morgen geht es zurück zum Parkplatz und auf zur Wanderung. Die Temperatur ist kühl und der Himmel bewölkt. Die Strecke ist noch ziemlich schlammig durch den Regen vom Vortag, dafür der Duft des Waldes herrlich erfrischend. Der „Bowyers Stream“, dessen Verlauf ich etwas folge, fließt laut tobend durch sein Flussbett. Unterwegs treffe ich ein Wanderpaar beschäftigt mit dem Fotografieren von Pflanzen sowie eine Gruppe von jungen Leuten, die gerade von einem einwöchigen Kletterlager zurückkommen. Sie berichten mir, dass diese Gegend hier beliebt für Felskletterei ist. Nach nur 2,5 h erreiche ich die Pinnacle Hut. Begrüßt werde ich vom lauten Getöse einer Maschine und fünf beschäftigten Arbeitern. Wie sich herausstellt werden in dieser Woche Verbesserungsmaßnahmen am Weg durchgeführt. Die Arbeiter nächtigen die ganze Woche in der Hütte und das Arbeitsgerät wird per Hubschrauber eingeflogen und wieder abgeholt. Nun bin ich etwas verstimmt, da von diesen Tätigkeiten nichts auf der Website erwähnt wurde. Da die Strecke doch leichter als erwartet zu bewältigen war und ich den Nachmittag über noch genug Zeit hätte, könnte ich weiterziehen, kann aber meine Buchungen der Hütten nicht mehr anpassen. So muss ich nun hier bleiben, versuche aber dem Lärm zu entkommen, indem ich die Umgebung erkunde. Am Abend sitze ich dann mit den Arbeitern, dem Wanderpaar und zwei weiteren Wanderinnen beim Abendbrot zusammen. Die Arbeiter erzählen, dass ihr Werk getan ist und sie morgen hinabsteigen. Zuvor wird das Gerät per Hubschrauber wieder abgeholt. Das Wanderpaar war dem Nachmittag über beschäftigt mit der Bestimmung von Pflanzen und wird morgen wieder zum Parkplatz zurückgehen. Die Wanderinnen sind zum vierten Mal hier auf dieser Strecke und werden am folgenden Tag in meiner Richtung unterwegs sein. Insgesamt verbringen wir einen gemütlichen Abend am Ofen und gehen gegen neun Uhr zu Bett.
Der Morgen beginnt mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Nach dem Frühstück ziehe ich gegen halb Zehn los. Nach ungefähr 20 min beobachte ich die Landung des Hubschraubers bei der Hütte am neu angelegten Hubschrauberlandeplatz (für dem der Zeltplatz gewichen ist). Das Wetter ist sonnig, nur ein kühler Wind zieht auf, der sich im Laufe des Tages zu Sturmböen entwickelt. Nach einer weiteren Stunde komme ich zu einer Stelle, an welcher meine Karte mir mitteilt, dass hier ein Weg zum Gipfel des „Mount Somers“ beginnen soll. Doch kann ich nichts entdecken. Auch im Wanderführer wird nur ein Weg zum Gipfel erwähnt und dieser beginnt genau auf der anderen Seite des Berges (ein Abzweig auf der letzten Etappe der Tour). Ich könnte nun weiterlaufen und ähnlich wie am vorigen Tag sehr früh an der nächsten Hütte ankommen, mit einem Nachmittag ohne große Beschäftigung folgend. Am letzten Tag der Tour könnte ich dann auf den Gipfel laufen, was ich aber eigentlich nicht geplant habe, weil die letzte Etappe schon ohne den Berglauf sehr lang ist und zudem das Wetter ungewiss. Also lasse ich mich spontan, auch wegen dem hervorragenden Wetter, zu einem Abenteuer ein. Ich werfe meinen Rucksack in ein Gebüsch, schnappe mir wie immer meine Kameraausrüstung, Jacke und eine Flasche Wasser und ziehe querfeldein darauf los. Nach einem kurzen Abschnitt von Büschen erreiche ich alsbald die Flanke des Berges bestehend aus losem Gestein. Der Anstieg ist steil, aber ich fühle mich sehr fit. Kurz darauf erreiche ich sogar einige Felsen und kann etwas klettern. Ein Weg ist ab und zu erkennbar, meistens jedoch wetterbedingt verschüttet und nur mit viel Mühe zu sehen. Ich laufe daher intuitiv und nutze meine Karte auf dem Telefon. Nach ungefähr einer Stunde erreiche ich den Gipfel. Es ist sehr windig, aber die Aussicht wunderschön. Ich verweile für eine halbe Stunde und ziehe danach wieder nach unten. Durch ein wenig Erfahrung im Klettern und mit Respekt vor dem Berg, fand ich den Weg akzeptabel. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es für absolut ungeübte Menschen zu gefährlich ist, weswegen dieser Teil sicherlich nicht mehr offiziell genutzt wird. Des weiteren ist er offensichtlich auch nur mit hohem Einsatz instand zu halten. Am Abend zuvor haben mir zudem die beiden Wanderinnen erzählt, dass dieser Wanderweg rund um den Mount Somers in den letzten Jahren sehr an Beliebtheit gewonnen hat und sehr viele Menschen unterwegs sind. So lässt sich eins und eins zusammenzählen und erklärt, warum der Abschnitt keine offizielle Erwähnung mehr findet. Ich benötige erneut eine Stunde bis ich wieder bei meinem Rucksack angelangt bin. Ich setze den Wanderweg fort und komme nach zwei Stunden an der „Woolshed Hut“ an. Sie ist riesig groß und sehr modern. Sogar ein Hüttenwärter ist anwesend.
An der Hütte ereilt mich ein kleiner Schock. Eine der Wanderinnen hat sich auf dem Weg zur Hütte am Knöchel verletzt und muss nun medizinisch betreut werden. Zum Glück ist diese Hütte mit Hilfe eines geländegängigen Fahrzeuges über eine Schotterpiste erreichbar und der Notarzt bereits unterwegs. Ich gönne mir eine Mittagspause, verabschiede mich von den Wanderinnen, die ins Auto steigen und gehe noch etwas die Gegend erkunden. Ich nehme mein Schwimmzeug mit, da es in der Nähe wohl eine Badeecke geben soll. Nach nur kurzer Zeit finde ich diese Stelle mit dem Namen „Emerald Pool“ und beschließe kurz hineinzuspringen. Es ist zwar sonnig, aber der Wind sehr kühl. Das Wasser ist eiskalt, aber ich bleibe tapfer. Nach zwei Minuten verlasse ich das Eisbad wieder und trockne mich ab. Während ich damit beschäftigt bin, fegt eine Windböe herein und meine Sachen landen im Wasser. Also ein weiteres Eisbad, um diese wieder herauszufischen. Jupeeeh ! Mit einer Unterhose und einem durchgeweichten T-Shirt bekleidet, laufe ich schnell zur Hütte zurück. Ich schaffe es mit viel Glück die Klamotten bis zum Abend durch viel Wind und Sonne wieder trocken zu bekommen. In der Zwischenzeit nehme ich vorlieb mit meinen Regensachen und schieße noch ein paar Fotos von der Umgebung. Am Abende diniere ich mit einem Paar aus Hongkong, einer Amerikanerin und einem britischem Paar.
Am Morgen breche ich gegen halb neun auf. Es ist immer noch windig und zudem kühl. Zwischenzeitlich muss ich sogar meine Winterausrüstung anlegen, da es mir zu kalt wird. Die letzte Etappe der Tour verläuft auf der Südseite des Gipfels, welche dem Wetter ausgesetzt ist und die Kälte erklärt. Auf halbem Weg kommt mir ein Läufer entgegen und ich frage mich, ob sein T-Shirt ausreichend für den kalten Wind ist. Kurz darauf verlasse ich die Südseite, komme an einer Rasthütte vorbei und erreiche ein Waldstück. Danach geht es bergab und es wird fühlbar wärmer. Auf den letzten Metern wird es sogar richtig warm und ich schätze die Temperatur auf um die 20 °C. Nach 5,5 h erreiche ich den Parkplatz, wo ich weitere Läufer treffe und mich kurz über ihr Hobby unterhalte. Danach gönne ich mir einen Kaffee sowie ein Stück Kuchen in einem nur unweit entfernten Cafe und fahre danach noch ein Stück weiter bis ich gegen 18 Uhr einen Campingplatz in Fairlie erreiche, wo ich die Nacht verbringe. Hier treffe ich das radfahrende Ehepaar aus Methven wieder. Ich unterhalte mich diesmal etwas länger mit ihnen, denn sie haben mir einige interessante Andekdoten zu berichten. Sie sind seit 20 Jahren regelmäßig mit dem Rad unterwegs, meist für mehrere Wochen. Auf ihrer Liste steht die Umrundung Australiens und Durchquerung des Outback, eine Tour durch Südamerika von Nord nach Süd oder eine Fahrt durch die USA von West nach Ost. Der Pandemie geschuldet touren sie dieses Jahr durch die Heimat. Den nächsten Tag setze ich meinen Weg in Richtung Lake Tekapo fort, wo der Nachthimmel im Mittelpunkt stehen soll.
Zusammenfassung Mount Somers Track
| Datum | Tag 1 | Tage 2 | Tag 3 |
| Streckenlänge | 6,6 km | 12,7 km | 15,2 km |
| Trackzeit (in Bewegung) | 2:15 h | 3:51 h | 4:37 h |
| Höhenmeter (Bergauf) / (Bergab) | 1081 m / 654 | 1367 m / 1000 m | 886 m / 1232 m |
| Höchster Punkt | 1114 m | 1701 m | 1186 m |










